Bei der Parodontitis liegt eine chronische Entzündung des Zahnfleisches vor. Die lokal erkennbare Ursache ist das Vorkommen von Bakterien, welche sich auf der Zahnwurzel anheften und über einen Zeitraum von Tagen, Wochen und Monaten einen stabilen Biofilm ausbilden. Dieser Biofilm ist für die Körperabwehr nicht angreifbar, verstoffwechselt aber Produkte aus der Umgebung und führt über die Abgabe von Abfallstoffen zu einem Reiz auf das umgebenden Zahnfleisches.

Chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen zeichnen sich durch ein erhöhtes Vorkommen von Entzündungszellen und Abwehrzellen aus und richten sich zu Beginn der Entzündung auch gegen bestimmte Antigene. Kommt es jedoch nicht zu einer Beseitigung des Reizes, bleiben auch die Abwehrzellen vor Ort. Leider produziert die jetzt chronische Entzündung auch Abfallstoffe, die wiederum das umgebende Gewebe schädigen und im Fall der Zähne und des Zahnfleisches den umgebenden Knochen zerstören wird.

Natürliche Nahrungsmittel

Schauen wir einmal auf die Zähne und das Zahnfleisch bei Tieren. Keine andere Spezies putzt sich die Zähne und dennoch hat keine andere Spezies irgendein Problem mit chronischer Zahnfleischentzündung und Parodontitis. Ein ganz wichtiger Unterschied zwischen den Tieren und uns ist die Art der Nahrung. Im Gegensatz zu naturbelassener Nahrung der Tiere haben wir Menschen die Nahrungszubereitung so weiterentwickelt, dass wir schon Probleme damit haben „natürliche Nahrungsmittel“zu definieren.

Industrialisierte Nahrung

Doch warum ist die Nahrung möglicherweise der Schlüssel zu vielen Dingen, die in unserem Körper nicht mehr richtig laufen ? Nahrung ist in allererster Linie ein Energie- und Bausteinlieferant. Tiere essen in der Regel nur soviel wie sie gebrauchen, denn sonst … . Doch Nahrung ist für uns heute auch Genuss, Gemütlichkeit, ein Zeichen von Wohlstand und noch vieles mehr. Wir haben die Nahrung industrialisiert und produzieren (zumindest in unseren Breiten) deutlich mehr Nahrungsmittel, als wir selber als „Energie“ gebrauchen. Gibt es überhaupt Werbung in öffentlich zugänglichen Medien, die naturbelassene Produkte wie Äpfel, Nüsse, Gemüse … bewerben ? Die Werbung die uns beeinflußt, will uns nur industriell hochverarbeitete Dinge schmackhaft machen.

Doch wo liegt vielleicht das Problem unserer heutigen Nahrung ?

Zubereitete Nahrung ist in mehrere Hinsicht vorbereitet und aufgeschlüsselt. Tiere müssen erstmal viel Kauarbeit leisten, damit die Nahrung durch Speichel und weitere Verdauungssäfte aufgespalten wird und Darmbakterien überhaupt die wichtigen Nährstoffe herauslösen können. Wir Menschen erledigen dies durch Erhitzen, Zerkleinern oder haben die „interessanten“ Inhaltsstoffe bereits von den Ballaststoffen getrennt eingekauft und verarbeitet. Doch was machen unserer Darmbakterien dann damit ?

Betrachtet man zunächst nur die Zahnfleischentzündung, kann man sicherlich davon ausgehen, dass sich die Bakterien im Mund und am Zahn am meisten vermehren, die mit unserem Nahrungsangebot am besten zurechtkommen. Daher ist die Phase 1 in unserer Behandlung auch die Zerstörung der vorhandenen Biofilme und die Instruktion zu einer effizienten eigenen Mundhygiene zusammen mit einer regelmäßigen professionellen Nachsorge (unterstützende Gingivitis-/Parodontitistherapie).

Seit Jahrzehnten wird aber auch wissenschaftlich der Frage nachgegangen, warum der Körper (in diesem Fall das lokale Zahnfleisch) diesen Entzündungszustand überhaupt so massiv betreibt. Auf diese Frage ist bislang noch keine Antwort und damit auch keine erfolgreiche Therapie gefunden worden. Neuere Erkenntnisse legen aber den starken Verdacht nahe, dass es sich bei der Zahnfleischentzündung wohl eher um ein lokales Symptom/ eine lokale Reaktion eines  systemischen Problems handelt.

Warum könnte dies so sein ?

Studien mit grünen, nitrathaltigen Smoothies und Studien mit probiotischen Nahrungsergänzungen konnten eine Verringerung der Zahnfleischentzündung zeigen, obwohl sich an der Zahnpflege und den anderen Ernährungsgewohnheiten nichts verändert hatte. Diese Verbesserung kann sich nur über eine Reaktion im Darmbereich, genauer gesagt bei den Darmbakterien, ergeben haben. Setzt man die Nahrungsergänzung (s.o.) wieder ab und behält die Ernährung unverändert bei, so wird sich der „alte“ Entzündungszustand des Zahnfleisches auch wieder einstellen.

Macht uns also unser Essen krank ?

Ja, diese Annahme ist wohl sehr wahrscheinlich. Unsere Darmflora hilft uns nicht nur unsere Nahrung zu verstoffwechseln, sondern wir beeinflussen die Zusammensetzung der Darmbakterien (Darmmikrobiota) auch maßgeblich durch unsere Nahrung. Nehmen wir regelmäßig viele Kohlenhydrate zu uns, so haben wir auch viele Bakterien im Darm, die auf Kohlenhydrate programmiert sind. Somit werden auch viele Kohlenhydrate über den Darm resorbiert und landen im Blut.

Neben einer Begünstigung eines Diabetes Typ II (resistente Zellmembran gegenüber Insulin/Zucker) werden viele Kohlenhydrate auch in Speicherfett umgewandelt. Dieser Prozess löst die Bildung weiterer aggressiver Produkte (oxidative Stress) und negativer Abfallprodukte aus. Fettgewebe ist ein Energiespeicher, der bei Tieren im jährlichen Turnus für die magere Winterzeit aufgebaut wird und somit nicht als Dauerspeicher angelegt ist. Schließlich muss auch der Fettspeicher irgendwie vom Organismus mit versorgt werden.

Antioxidative Ernährung

Mit einer entsprechenden antioxidativen Ernährung reduziert man nicht nur die Menge der schädlichen Abfallprodukte, sondern erhöht auch die Flexibilität unserer Zellmembranen wieder. Als Ergebnis dieser systemischen Veränderung reduziert sich die lokale Zahnfleischentzündung. Dies bestätigt die aktuelle Annahme, dass es sich bei der Zahnfleischentzündung wohl eher um ein systemisches Problem handelt.

Welche Erkrankungen sich ebenfalls reduzieren lassen, wenn wir unsere Ernährung ändern, kann man sich heute wahrscheinlich kaum vorstellen !

Zähneputzen alleine wird nur das Symptom der Entzündung am Zahnfleisch lindern. Möchten Sie mehr tun müssen wir noch weiter gehen und der Entzündung tief in unserem Körper behandeln.

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