Inhaltsverzeichnis:

Welche Therapie bei Zahnfleischerkrankungen?

Vor jeder Therapie steht zunächst eine umfassende Befundung und Diagnosestellung. Die am häufigsten auftretenden Zahnfleischerkrankungen sind die Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder die Parodontitis (Parodontose). Diese hat bereits zu einem Abbau des Kieferknochens geführt.

Beide Erkrankungen werden primär durch Bakterien hervorgerufen und daher ist unsere aktive Therapie auch die Entfernung der Bakterien von möglichst allen Wurzel- und Zahnflächen.

Neben den Bakterien an sich gibt es jedoch eine Vielzahl weiterer Gründe, die dafür sorgen, dass sich Ihr Zahnfleisch so stark entzündet. Diese Gründe können sein:

  • genetischen Vorbelastung (Eltern, Großeltern)
  • Stress
  • Zahnstellung (schiefe Zähne ?)
  • Nikotinkonsum
  • Ernährung
  • Medikamente
  • andere Erkrankungen (Diabetes mellitus, HIV, …)
  • eigene Mundhygiene (Häufigkeit, Gründlichkeit)

Erst wenn wir möglichst alle Umstände Ihrer Erkrankung kennen, können wir besser verstehen, warum es den Bakterien bei Ihnen gelingt soviel Schaden anzurichten.

Nach der genauen Untersuchung beginnt unsere aktive Behandlung, um damit einen Überblick über Ihre Mundhygienesituation zu bekommen. Hierfür färben wir Bakterienbeläge mit einer Lösung an. Die meisten Beläge sind aufgrund ihrer Beschaffenheit ohne Anfärbung fürs menschliche Auge unsichtbar.

Hilfsmittel zur effektiven Zahnreinigung

Wir probieren dann gemeinsam aus, mit welchen Hilfsmitteln Sie zukünftig Ihre Zähne effektiver reinigen können. Gerade bei eng stehenden Zähnen oder vielen vorhandenen Füllungen und Zahnersatz wie Kronen und Brücken ist eine Pflege schwierig und ein paar Tricks müssen her. Eine Reinigung und Entfernung der zunächst bis zum Zahnfleischrand vorhandenen Beläge erfolgt ebenfalls.

In Fällen wo die Erkrankung bereits sehr weit fortgeschritten ist und viele Begleitgründe vorliegen, führen wir mikrobiologische Testungen durch. Mit diesen Testungen lassen wir untersuchen, ob bestimmte aggressive Bakterien vorliegen und in welcher Menge. Bei dem entsprechenden Nachweis der Bakterien setzen wir im Rahmen der weiteren Behandlung oft auch Antibiotika begleitend ein.

Nach dieser Vorbehandlungsphase erfolgt die eigentliche Parodontitisbehandlung (Parodontosebehandlung).

Nach vorheriger Betäubung von Zahn und Zahnfleisch reinigen wir die Zahnwurzeln. Die Wurzeloberfläche erreichen wir dabei sehr einfach über die vorhandenen Zahnfleischtasche. Ein chirurgisches Eröffnen ist dabei primär gar nicht notwendig. Da das Taubheitsgefühl aufgrund der Anästhesiespritze schon noch ein paar Stunden anhalten kann, teilen wir die Behandlung meist auf zwei Sitzungen auf und führen diese möglichst innerhalb von 2-3 Tagen durch. So gelingt es uns Ihren kompletten Mundraum sanft, schnell und effektiv von den lästigen Bakterien zu befreien.

Sie erhalten anschließend hilfreiche Tipps für die erste Zeit nach der Behandlung und einen Folgetermin.

Begleitende Maßnahmen wie die Einnahme von Antibiotika, sei es per Tablette oder als lokales Gel, oder auch eine Softlasertherapie (photodynamische Therapie pdT) oder Plasmatherapie erfolgen bei uns grundsätzlich erst nach der Reinigung der Wurzeloberflächen.

In der Regel führen wir nach ca. 3 Monaten eine erneute genaue Untersuchung des Zahnfleisches und eine professionelle Reinigung der Zähne und erreichbaren Wurzelflächen durch. So können wir erkennen, wo und wie erfolgreich unsere bisherige Behandlung bei Ihnen war.

Bakterien sind prinzipiell aus keinem Mundraum dauerhaft zu entfernen.

Problematisch wird es für uns Menschen nur, wenn sich die Bakterien in Nischen ungehindert vermehren und anpassen können. Die Wurzeloberfläche in einer Zahnfleischtasche ist daher die ideale Nische für Bakterien. Unser Ziel muss es daher sein, gemeinsam mit Ihnen regelmäßig zu schauen, ob sich wieder Nischen bilden oder nicht.

Diese regelmäßige Nachsorge wird unterstützende Parodontitistherapie (UPT) genannt und in einem Abstand von 3 – 6 Monaten durchgeführt.

Stellen wir im Rahmen der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) fest, dass in einer oder mehreren Zahnfleischtaschen immer wieder Entzündungen auftreten (Blutung oder Eiter bei der Untersuchung), so können wir hier gemeinsam entscheiden ob vielleicht punktuell ein kleiner chirurgischer  Eingriff oder andere lokale Maßnahmen weiterhelfen können. Da es sich hierbei um eine Vielzahl von Befunden und entsprechend auch um eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten gibt, können wir nur im Einzelfall mit Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten sondieren.

Sollten Sie die Verordnung von Antibiotika vermeiden wollen oder haben Sie nach der ersten Therapiephase noch Entzündungen, so kann der Einsatz einer Lasertherapie (pdT) oder der Plasmatherapie sinnvoll sein.

Laserbehandlung

Die von uns angewandte Laserbehandlung wird in der Fachsprache auch photodynamische Therapie (pdT) genannt. Bei diesem Verfahren arbeiten ein Laser mit einer Wellenlänge von 550nm und ein blauer Farbstoff zusammen.

Der Farbstoff wird nach einer intensiven Reinigung von Wurzel- oder Implantatoberflächen in die Zahnfleischtasche eingebracht und bindet ausschließlich an negativ geladene Bakterienmembranzellen. Anschließend folgt die Beleuchtung mit dem Laserlicht und es bildet sich radikaler Sauerstoff O³. Dieser Sauerstoff ist so reaktiv, dass er Moleküle der Bakterienmembran angreift und somit zum Tod der Bakterienzelle führt.

Die photodynamische Therapie konnte sowohl am Patienten, wie auch unter Laborbedingungen eine Keimreduktion von > 99% nachweisen.

Eine Schädigung Ihres Zahnfleisches bleibt aufgrund der gleichpoligen Ladung des Farbstoffes komplett aus. Wir verwenden bereits seit 2006 das System der Fa. Helbo(R) (www.helbo.de), welches nicht zuletzt aufgrund einer Vielzahl weiterer hoch qualifizierter Anwender, die meisten Erfahrungen auf diesem Gebiet vorweisen kann. Das schwach energetische Laserlicht aktivert auch die körpereigenen Zellen so dass sich die Wundheilung ebenfalls verbessert.

Plasma-Therapie

Für die Plasma-Therapie setzen wir je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Sonden ein. Diese Sonden werden in einen Plasmagenerator eingesetzt und sind mit einem Edelgas gefüllt. Durch elektrische Aktivierung des Gases wird an der Sondenspitze ein sehr kleines elektrisches Feld erzeugt.

Wenn wir dieses Feld in die Nähe Ihrer Körperzellen bringen, bildet sich in den oberen Zellschicht Ozon. Dieses Ozon wird aus Sauerstoff aufgespalten und sorgt bei Ihnen für einen antibakteriellen Effekt.

99,9% der Bakterien sterben ab

Ihre körpereigene Zellen werden dadurch geschont und es treten keine Nebenwirkungen auf. Anwendung findet die Plasma-Behandlung hauptsächlich bei lang anhaltenden und aggressiven Parodontose-Erkrankungen.